Sie sind hier:
  • Gedichte

Wie Gedichte schreiben Menschen helfen kann

05.01.2025

Wir ermöglichen in unserem Deutschunterricht am Standort Ost zum einen den Schüler:innen durch die passgenaue Beschulung eine Teilhabe an ihrer Heimatschule , wenn sie stationär in der Kinder- und Jugendklinik aufgenommen sind. Dies ist in sozialer und inhaltlicher Hinsicht und im Hinblick auf Perspektivplanungen bedeutsam für die meisten Schüler:innen.
Außerdem nutzen wir die kreative heilsame Kraft der Poesie für manche Schüler:innen, wenn sie einen Zugang dazu haben. Dies erfolgt auf der Basis der integrativen Therapie, in der sich Iris Gruslewski weitergebildet hat. Die Schüler:innen lesen und schreiben und können so ihre Gefühle externalisieren, förderliche Solidaritätserfahrungen sammeln, ihrem Erleben Prägnanz abgewinnen, Vorbilder finden, Atmosphären und Stimmungen mitteilen.

Die Heilkraft der Sprache wurde schon im Neolithikum von Schaman:innen genutzt und aus Griechenland ist uns der Gott Apollo als Vertreter der Heilkunst und gleichermaßen der Künste bekannt. Die Verschränkungen von Heilkunst und künstlerischen Ausdrucksformen sind kulturell vielfach zu entdecken. Um es poetisch mit Hilde Domin auszudrücken:

„Es ist wahr, daß im Gedicht, wie in aller Kunst, etwas Heilendes ist. Eben weil es den Menschen befreit: vom Objektsein, vom Stummsein, von Alleinesein, abgeschnitten von der Menschheit. Das Gedicht ist…Modell von Begegnung überhaupt: mit anderen, mit der Wirklichkeit. Schreiben
befreit. Das Innen wird zum Außen, es wird namhaft gemacht, ansehbar gemacht, erfahrbar.“

[Quelle: Domin Hilde: Das Gedicht als Begegnung. In: Petzold, G. Hilarion/Orth, Ilse (Hgg.).
Poesie und Therapie-Über die Heilkraft von Sprache-Poesietherapie, Bibliotherapie und literarische Werkstätten. ATHESIS psyche. Bielefeld 2015.]

Kostprobe

Im Folgenden können Leser:innen Gedichte und Prosatexte, die im Deutschunterricht entstanden sind, lesen: Maxim (16) schrieb auf Deutsch und Englisch unfaßbar viele Gedichte. Dies ist eine kleine Kostprobe:

Leben das Buch, das man Tag für Tag schreibt, kein Ende in Sicht.
Worte, die leere Seiten Stück für Stück füllen – ohne Ende.
Leere Worte mit mehr Bedeutung, als du denkst.
Punkte, die Jahre beenden.
Punkte, die Zeichen setzen.
Fragezeichen, die Seiten füllen oder auch leeren.
Ausrufezeichen, die beginnen, aber auch enden: Tage, Monate, Sekunden.
Großbuchstaben, die schreien die auch geflüstert werden.
Kleinbuchstaben, die lautesten, die gehört wurden und die leisesten, die überhört wurden.
Ein Buch voller Bedeutung.
Jeder hat seine Seiten, aber geschrieben von einer Person.
Gelesen von jedem, aber nie zu 100 %.
Beenden kann nur einer diese Seiten.
Du denkst, bald sind sie leer, alle Seiten geschrieben
doch dieses Buch endet erst dann, wenn du es nicht erwartest.
All die Plot-Twists doch dieser wird der größte sein,
wenn der Stift zu den Tränen deiner Geliebten wird.
Ein Ende, das so spät kommt – aber für alle anderen zu früh.
Dein Buch endet, tausende von Seiten, die nur du kennst.
Und dies wird für immer so sein

weitere Gedichte gibt es hier